Die Reise 2006

 

Historische Reise von Sulzbach nach Hilpoltstein


Digital StillCameraJedes Jahr feiern die Hilpoltsteiner am ersten Sonntag im August den Einzug ihrer Pfalzgräfin Dorothea-Maria auf ihren Witwensitz, der Burg in Hilpoltstein. Nach dem Tode ihres Gemahls zog die Pfalzgräfin mit ihrem Hofgefolge von Sulzbach nach Hilpoltstein um. Nachdem sich der Einzug der Hilpoltsteiner Burggräfin in diesem Jahr bereits zum 400sten male jährt, wurde der Umzug von ca. 40 Teilnehmern mit einer Kutsche, einem Planwagen und insgesamt sieben Pferden an drei Tagen eindrucksvoll nachgestellt. Der historische Umzug begann am 21. Juli 2006 in Sulzbach und endete am Sonntag dem 23. Juli 2006 auf der Burg in Hilpoltstein, wo der Tross der Gräfin mit lautem Jubel begrüßt wurde.


Hier die Erinnerungen eines Trommlers…

Nach zuletzt wochenlanger Vorbereitung war es am Freitag, den  21. Juli endlich soweit. Um  6 Uhr morgens trafen sich alle Teilnehmer und Helfer, um letzte Gepäckteile zu verladen und um dann schließlich in Kleinbussen nach Sulzbach aufzubrechen.

Am Bauhof in Sulzbach wurden die gräfliche Kutsche und der Planwagen zusammengebaut und die Pferde vorgespannt. Schon ging es los. Burgfesttrommler, Fanfaren, Herold, Kanzler, Standartenträger, Gräfin mit 3 Töchtern, sowie Landsknechte machten sich auf den Weg zum Sulzbacher Schloss, wo wir vom Bürgermeister der Stadt Sulzbach und einer Abordnung in historischen Gewändern verabschiedet wurden.  In Sulzbach wurde eine rot-weiße Fahne mit Lilien als Wahrzeichen Sulzbachs der Pfalzgräfin Dorothea-Maria und ihrem Gefolge mit auf den Weg gegeben.  Der anschließende Festzug führte uns durch die Stadt Sulzbach und endete auf einem großen Parkplatz, wo die Gala-Uniformen durch etwas bequemere Lauf-Uniformen ersetzt wurden. Nach einer kurzen Stärkung ging es auf die Reise.  Der Weg führte vorbei an der Maxhütte, über Kropfersricht, nach Prohof.
In Prohof war dann die erste lange ersehnte Pause für Mensch und Pferd. Bei einer sehr leckeren kalten Platte, oder wahlweise in Wasser aufgequollenem Hafer konnten sich alle Teilnehmer stärken.  Weiter ging es  dann über Pfaffenhof nach Illschwang.  Die Anwohner der Gemeinde Illschwang hatten das Vergnügen den historischen Tross gleich zweimal im Vorbeimarsch bewundern zu können, da für das Bayerische Fernsehen der Zug aus der entgegen gesetzten Richtung vorbeiziehen musste.

Für diesen kleinen Umweg wurden wir durch den Bürgermeister der Gemeinde Illschwang mit reichlich kalten Getränken belohnt, die bei über 30 Grad im Schatten reichlichen Beifall ernteten. Nachdem alle gestärkt waren, ging es nun weiter über Reichertsfeld und Ottmannsfeld nach Betzenberg, wo die nächste Rast auf dem Plan stand.  Dieser Halt war von Kirchweihküchle und ersten Wundversorgungen geprägt. Nun hatte die Gräfin und ihr Gefolge nur noch ca. 1/3 der 27 km langen Tagesetappe vor sich, bevor wir Lauterhofen, den ersten Übernachtungsort erreichten.

Am Lauterhofener Ortsschild stand auch schon das  erneute Umgewanden auf dem Tagesprogramm. In den historischen Gala-Uniformen zog der Tross nach Lauterhofen ein, wo er von der Bevölkerung  und dem dort regierenden Bürgermeister freudig  auf dem Marktplatz empfangen wurde.  Nach einer kurzen Einführung in die historische Stadtgeschichte stand nun der letzte Festzug des Tages zum Übernachtungsquartier in der Regens-Wagner-Stiftung auf dem Programm. Sichtlich erleichtert kamen alle Teilnehmer mit einem lauten „Hallooo“ in der Regens-Wagner-Stiftung an, bezogen ihre Quartiere und freuten sich auf den anschließenden Festabend.

Zum Festabend um 20 Uhr waren einige Gruppen aus Hilpoltstein angereist, um das Programm abzurunden. Ab 21 Uhr saßen dann die Teilnehmer gesellig beieinander und erfreuten sich den Klängen von Reiner und Benni mit Klarinette und Akkordeon.

Am nächsten Morgen wurde um 8.45, von einem sehr komfortablen Frühstück gestärkt, der weitere Weg aufgenommen. Hier sollte der Weg durch den Benzenwanger Grund nach Benzenberg und dann weiter nach Litzlohe führen. Doch hier ereigneten sich leider kleinere Navigationsschwierigkeiten, aufgrund derer der Tross einen kleineren Umweg von ca. 7 km hinnehmen musste. Doch trotz dieses Umweges zeigten alle Teilnehmer, dass sie eine „große Gemeinschaft“ sind und ließen sich die Stimmung nicht vermiesen.

Gut gelaunt führte der weitere Weg über Wünn, Ober- und Unterwall und Berg bei Neumarkt nach Hausheim am Fuße des Dillbergs, wo auch schon die Mittagsrast des Zweiten Tages geplant war. Wir stärkten uns am Kalten Buffet und gönnten uns dann noch ein kleines Erholungs-Päuschen, die Einen durch etwas Augenpflege, die Anderen durch erneute Wundversorgung.

Nun stand der ungemütliche Teil, des ebenfalls über 30 Grad heißen Tages, auf dem Programm. Über die Orte Klein- und Großvoggenhof, die durch ein Tal mit einem 18%igen Gefälle, sowie einem 10%igen Anstieg verbunden sind, zog der Tross über Postbauer-Heng, Kemnath und Rengersricht im Schloss von Seligenporten, dem Zweiten Übernachtungsort ein.

Sichtlich geschafft von dieser 37 km langen Tagesetappe lobten alle Teilnehmer den Fleiß des THW´s für die Errichtung der Übernachtungszelte und des Aufstellens der lange ersehnten Bierzeltgarnituren. Schnell wurde sich mit etwas Burgfestbier gestärkt, an der ca. 15 Grad kalten „Gartenschlauch-Dusche“ erfrischt und das Abendessen eingenommen, so dass der gemütliche Teil des Abends mit zünftiger Musik von  Reiner und Benj beginnen konnte.  Die Pfalzgräfin überraschte ihr Gefolge durch selbst geschriebene Liedtexte, die sie zusammen mit ihren Töchtern während der Reise in ihrer Kutsche getextet hatte. Nun wartete auf die Teilnehmer eine erholsame Nacht im Gemeinschaftszelt bei gelegentlichen Regenschauern, die eher erfrischend als störend wirkten.
Am nächsten Morgen gab es ein Frühstücksbuffet beim Klosterwirt in Seligenporten, und dann ging es auch schon wieder auf die letzten 20 Km Richtung Freystadt, nachdem einige Teilnehmer nach längerem Anstehen vom „Landsknechts-Sanitäter“ ihre Marschblessuren verarzten ließen. Der Dritte Tag war von einer Wahnsinns-Stimmung geprägt.

Der gesamte Tross lief von Seligenporten fast im Gleichschritt als Festzug nach Rohr, wo ein kurzer Halt eingeplant war. Die Fanfaren unterhielten die Mannschaft durch lustige Lieder, gepfiffene Märsche oder  durch Fanfarenklänge. Dies veranlasste drei Burgfesttrommler und einen Fanfarentrommler ab Rohr ihre Trommeln an den Mann zu nehmen und die fröhliche Stimmung musikalisch zu unterstützen. In Freystadt erfolgte dann das erneute historische Umkleiden in die Gala-Uniformen und der Einzug in die Stadt, wo die historische Gesellschaft vom Freystädter Bürgermeister in einem wunderschönen Innenhof am Marktplatz empfangen wurde.

Nach kurzer Stärkung bei Weißbier und Kuchen ging es nun auf die letzten 13 km Richtung Hilpoltstein. Hinter Freystadt wurde sich nochmals kurz bequemer umgekleidet und dann ging es über Michelbach, wo fast das gesamte Dorf auf der Straße jubelte, am Rhein-Main-Donau-Kanal entlang nach Altenhofen. Die drei Burgfesttrommler und ein Fanfarentrommler hatten den kompletten Weg von Freystadt nach Altenhofen durch Märsche zur  sagenhaften Stimmung beigetragen. Auch die Fanfaren-Bläser waren auf dieser Strecke nicht untätig gewesen. Es wurde der gesamte Liedschatz zum Besten gegeben, welcher auch gemeinsame Märsche einschloss. In Altenhofen ging es nun zum finalen Umkleiden in die Gala-Uniformen und dann zügig im Festzug nach Hilpoltstein.

Leider wurde uns der Zugang zur Altstadt Hilpoltsteins erschwert, da dieser von ortsansässigen Zigeunern und Bettlern belagert wurde. Doch nach Überwindung dieser Schwierigkeit ging es zügig auf die Burg. Dort wurden wir von Bürgern Hilpoltsteins mit lautem Jubel empfangen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Bürgermeister und den Burgfestbürgermeister wurde die Sulzbacher Stadtfahne, die eine lange Reise hinter sich gebracht hatte, an der Burg gehisst. Nun wurde die lang ersehnte Ankunft zusammen mit den Bürgern Hilpoltsteins bis in die Nacht gebührend gefeiert.

Eine Auswahl an Bildern könnt ihr auf unserer Homepage in der Bildergalerie bewundern.